Sitz Kommando
Bei Hundeerziehung Fair gehen wir einen anderen Weg. Wir zeigen dir, wie dein Hund lernt, sich freiwillig und freudig zu setzen. Nicht, weil er muss, sondern weil es sich für ihn lohnt.
In diesem ausführlichen Guide erfährst du Schritt für Schritt, wie du das Signal aufbaust, warum das „Auflösesignal“ der wichtigste Teil ist und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.
Warum „Sitz“ mehr ist als nur ein Trick
Vielleicht fragst du dich: „Ist Sitz nicht langweilig?“ Ganz und gar nicht. Das Hinsetzen ist für den Hund ein Ruhepol. Anatomisch gesehen ist es eine statische Position, die Bewegung herausnimmt.
Ein Hund, der sitzt, kann nicht gleichzeitig:
Den Besuch anspringen.
Dem Jogger hinterherrennen.
Nervös an der Leine hin und her laufen.
Das „Sitz“ ist also deine „Pause-Taste“ im Alltag. Es schafft Sicherheit an der Straße, Ruhe im Wartezimmer und Höflichkeit bei der Begrüßung.
Vorbereitung: Das brauchst du für das Training
Bevor wir starten, packen wir deinen „Werkzeugkoffer“. Da wir fair und über positive Verstärkung arbeiten, ist die Belohnung unser wichtigstes Kommunikationsmittel.
1. Die richtigen Leckerlis
Vergiss harte Hundekuchen, an denen dein Hund zwei Minuten kauen muss. Für das Training brauchst du sogenannte „High-Value-Treats“.
Weich: Damit sie schnell geschluckt werden können.
Klein: Erbsengröße reicht völlig.
Riechbar: Käsewürfel, Fleischwurst oder spezielle Trainings-Snacks.
Unsere Empfehlung für das Training: Nutze weiche Trainings-Knöchelchen ohne Getreide. Sie krümeln nicht in der Tasche und die Hunde lieben sie.
2. Der Clicker (Optional, aber genial)
Der Clicker ist ein kleines Knack-Geräusch, das dem Hund sagt: „Genau das, was du JETZT tust, ist richtig – Belohnung kommt!“ Er ist präziser als deine Stimme.
3. Eine ruhige Umgebung
Starte im Wohnzimmer. Ohne Kinder, ohne Katze, ohne Fernseher. Dein Hund soll sich nur auf dich konzentrieren können.
Schritt-für-Schritt Anleitung: So lernt dein Hund „Sitz“
Wir nutzen die Lock-Methode. Wir zwingen den Hund nicht in die Position, sondern bringen ihn dazu, sie von selbst einzunehmen.
Schritt 1: Die Bewegung (Das Locken)
Nimm ein Leckerli in die Hand und halte es direkt vor die Nase deines Hundes (nicht füttern, nur riechen lassen!). Bewege die Hand nun langsam über seinen Kopf in Richtung Rücken.
Was passiert? Der Hund will mit der Nase am Leckerli bleiben. Er hebt den Kopf. Damit er nach oben schauen kann, wird sein Hintern automatisch schwerer und senkt sich Richtung Boden. Das ist reine Anatomie!
Schritt 2: Das Timing
In genau der Millisekunde, in der sein Popo den Boden berührt:
CLICK (oder sage dein Markerwort wie „Yess!“).
Gib ihm sofort das Leckerli.
Wiederhole das 5 bis 10 Mal. Locken -> Popo geht runter -> Click & Belohnung.
Schritt 3: Das Signalwort einführen
Viele machen den Fehler und rufen von Anfang an „Sitz, Sitz, Sitz!“, während der Hund noch gar nicht weiß, was das bedeutet. Das Wort kommt erst dazu, wenn die Bewegung klappt.
Du führst die Hand über den Kopf.
Kurz bevor der Hintern den Boden berührt, sagst du ruhig und freundlich: „Sitz“.
Popo landet -> Click & Keks.
Schritt 4: Das Auflösesignal (Extrem Wichtig!)
Das ist der Punkt, den 90 % der Hundehalter vergessen. Woher weiß dein Hund, wann er wieder aufstehen darf? Wenn du es ihm nicht sagst, entscheidet er selbst. Das macht das Kommando unzuverlässig.
Führe ein Wort ein wie „Lauf“, „Okay“ oder „Frei“.
Hund sitzt.
Du sagst „Okay“ und wirfst ein Leckerli ein Stück weg, sodass er aufstehen muss, um es zu holen.
So lernt er: „Ich bleibe sitzen, bis ich das Zauberwort höre.“
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Auf den Hintern drücken
Bitte drücke deinen Hund niemals mit der Hand den Po runter. Warum nicht? Hunde haben einen „Oppositionsreflex“. Wenn du drückst, drücken sie instinktiv dagegen. Außerdem erzeugt es Misstrauen. Wir wollen, dass der Hund denkt, nicht dass er gedrückt wird.
Fehler 2: Das Kommando wiederholen
„Bello, Sitz! … Sitz! … Siitz! … Setz dich jetzt!“ Wenn du das Wort fünfmal sagst, lernt der Hund, dass er erst beim fünften Mal hören muss. Die Lösung: Sag es nur einmal. Wenn er es nicht tut, hilf ihm wortlos mit der Handbewegung (Schritt 1).
Fehler 3: Leckerli zu hoch halten
Wenn du die Hand zu hoch über den Kopf hältst, wird der Hund versuchen, danach zu springen oder Männchen zu machen. Die Lösung: Halte die Hand dicht über der Nase und bewege sie flach nach hinten.
Das Handzeichen für „Sitz“
Hunde sind Körpersprache-Profis. Sie verstehen Handzeichen viel schneller als Worte. Das klassische Handzeichen für Sitz leitet sich aus unserer Lock-Bewegung ab: Der erhobene Zeigefinger oder die flache Hand, die nach oben zeigt.
Übe beides: Mal sagst du nur das Wort, mal zeigst du nur die Hand. Ein Hund, der auf Handzeichen reagiert, ist im Alter (wenn er schlechter hört) oder auf Distanz viel leichter zu führen.
Fortgeschrittenes Training: Dauer und Ablenkung
Dein Hund setzt sich sofort, wenn du es sagst? Super! Aber bleibt er auch sitzen, wenn ein Eichhörnchen vorbei rennt?
1. Dauer verlängern (Bleib)
Verzögere den Click/das Leckerli.
Hund setzt sich -> Warte 1 Sekunde -> Click.
Nächstes Mal: Warte 2 Sekunden -> Click.
Dann 5 Sekunden. So lernt er Geduld.
2. Generalisierung (Orte wechseln)
Hunde lernen kontextbezogen. „Sitz im Wohnzimmer“ ist für einen Hund etwas völlig anderes als „Sitz auf der Wiese“. Übe erst drinnen, dann im Garten, dann auf einer ruhigen Straße, dann vor dem Supermarkt. Steigere die Schwierigkeit langsam.
Fazit: Geduld zahlt sich aus
Das Kommando „Sitz“ ist das Fundament eurer Kommunikation. Wenn du es fair und ohne Zwang aufbaust, stärkst du das Vertrauen deines Hundes massiv. Er lernt: „Zuhören lohnt sich, bei meinem Menschen passiert immer etwas Tolles.“
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