Hundetraining: Unterschied zwischen AUS und NEIN (+Anleitung)
Hand aufs Herz: Wenn dein Hund gerade den teuren Teppich anknabbert oder beim Spaziergang ein altes Pausenbrot findet – was rufst du dann? „Aus“? „Nein“? „Pfui“? Oder alles durcheinander?
Viele Hundehalter nutzen „Aus“ und „Nein“ synonym. Doch für den Hund ist das verwirrend. Ein sauberes Training beginnt damit, dass du genau weißt, was du willst. Denn nur wenn die Signale glasklar sind, kann der Hund zuverlässig reagieren.
In diesem Artikel lernst du den entscheidenden Unterschied kennen und bekommst eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du beide Signale positiv und nachhaltig aufbaust.
Die Definition: Was bedeutet was?
Bevor wir trainieren, sortieren wir die Begriffe. Das macht es für deinen Hund viel logischer.
1. „NEIN“ (Das Tabu-Wort)
Bedeutung: „Tu das nicht, was du gerade vorhast!“ oder „Brich ab, was du gerade tust, und wende dich mir zu.“
- Situation: Der Hund will zum Jogger hinlaufen, er will den Mülleimer umwerfen oder er schnüffelt an einem Giftköder (hat ihn aber noch nicht im Maul).
- Das Prinzip: Eine unsichtbare Wand. Es ist ein Abbruchsignal.
2. „AUS“ (Das Abgabe-Signal)
Bedeutung: „Lass fallen, was du gerade im Maul hast.“
- Situation: Der Hund hat den Ball, dein Socken oder (leider) das gefundene Brötchen bereits im Maul.
- Das Prinzip: Ein Tauschgeschäft. Der Hund soll lernen, den Gegenstand freiwillig auszuspucken.
Anleitung 1: Das „Nein“ trainieren (Impulskontrolle)
Viele Menschen brüllen „Nein“, wenn der Hund etwas falsch macht. Der Hund zuckt zusammen und hört auf, weil er erschrickt. Das ist aber kein gelerntes Kommando, sondern Einschüchterung. Ein echtes „Nein“ bedeutet für den Hund: „Es lohnt sich mehr, das Ding in Ruhe zu lassen und Frauchen anzuschauen.“
Die Übung: Die geschlossene Faust
Wir bringen dem Hund bei, dass er nicht zum Erfolg kommt, wenn er drängelt.
- Vorbereitung: Nimm ein Leckerli in die Hand und schließe sie zur Faust.
- Präsentation: Halte dem Hund die Faust hin.
- Die Reaktion: Der Hund wird daran schnüffeln, lecken oder mit der Pfote kratzen. Bleib stur. Die Hand bleibt zu. Sag nichts!
- Der Moment der Wahrheit: Irgendwann wird der Hund frustriert sein und kurz zurückzucken oder dich fragend anschauen („Warum geht das Ding nicht auf?“).
- Belohnung: Genau in dieser Sekunde sagst du dein Markerwort (z.B. „Jep“ oder „Fein“) und öffnest die Hand. Er darf das Leckerli nehmen.
Das lernt der Hund: „Wenn ich drängle, bleibt die Bar zu. Wenn ich mich zurücknehme, geht sie auf.“
Stufe 2: Das Wort einführen
Wenn Schritt 1 flüssig klappt (Hund sieht Faust -> Hund nimmt sich sofort zurück), sagst du bevor du die Faust hinhältst ruhig aber bestimmt „Nein“.
Stufe 3: Die offene Hand (Die Königsdisziplin)
- Lege ein Leckerli auf die flache Hand.
- Sage „Nein“.
- Wenn der Hund hin will, schließe blitzschnell die Hand.
- Warte, bis er sich zurücknimmt -> Hand geht wieder auf.
- Ziel: Du kannst dem Hund das Leckerli auf der offenen Hand unter die Nase halten, „Nein“ sagen, und er rührt es nicht an, sondern schaut dir in die Augen. Dann gibst du es ihm mit einem „Nimm’s“ frei.
Anleitung 2: Das „Aus“ trainieren (Tauschen statt Klauen)
Hunden Dinge aus dem Maul zu reißen, ist der sicherste Weg, um einen „Ressourcenverteidiger“ zu erziehen. Der Hund lernt: „Wenn der Mensch kommt, nimmt er mir meine Beute weg. Ich muss schneller schlucken oder knurren.“
Wir wollen aber, dass der Hund uns die Beute gerne gibt. Das Zauberwort heißt: Tauschen.
Schritt 1: Langweiliges Spielzeug vs. Super-Keks
- Der Hund hat ein Spielzeug im Maul, das er „ganz okay“ findet (kein absolutes Lieblingsspielzeug!).
- Halte ihm ein extrem hochwertiges Leckerli (Käse, Fleischwurst) direkt vor die Nase.
- Hunde können nicht fressen und festhalten gleichzeitig. Er wird das Maul öffnen, um die Wurst zu nehmen.
- Das Kommando: Genau in dem Moment, wo der Kiefer aufgeht und das Spielzeug fällt, sagst du ruhig „Aus“.
Schritt 2: Wiedergeben (Der Vertrauens-Booster)
Das ist der wichtigste Tipp, den viele vergessen: Nachdem der Hund „Aus“ gemacht und die Wurst gefressen hat, gibst du ihm das Spielzeug sofort wieder!
Warum? Der Hund lernt: „Aus heißt nicht Verlust. Aus heißt: Ich kriege Käsestückchen UND darf mein Spielzeug behalten. Das ist ja ein mega Deal!“ Später, im Ernstfall (Giftköder), gibst du es natürlich nicht wieder, aber im Training baut das Vertrauen auf.
Schritt 3: Schwierigkeit steigern
Übe das später mit Zerrspielen.
- Ihr zerrt am Tau.
- Du hörst auf zu ziehen, machst dich „langweilig“ (Arme starr am Körper).
- Halte das Leckerli hin -> „Aus“.
- Sobald er loslässt: Belohnung + sofortiges Weiter-Spielen als zusätzliche Belohnung.
Die 3 häufigsten Fehler bei „Aus“ und „Nein“
1. Das „Nein“ abnutzen
Wer den ganzen Tag „Nein, lass das“, „Nein, komm her“, „Nein, nicht bellen“ ruft, macht das Wort bedeutungslos. Es wird zum Hintergrundrauschen. Nutze „Nein“ sparsam und setze es durch (nicht 10-mal sagen, einmal sagen und handeln).
2. Den Namen missbrauchen
„Bello, NEIN!“ – Viele Hunde verknüpfen ihren Namen dadurch negativ. Der Name sollte immer bedeuten: „Guck mal, hier ist was Tolles“. Trenne Name und Abbruchsignal. Ein scharfes „Nein!“ reicht.
3. Fangen spielen
Dein Hund hat eine Socke geklaut? Wenn du jetzt hinterherrennst und „Aus“ rufst, denkt der Hund: „Juhu, Fangen spielen!“. Lösung: Renn weg vom Hund! Das macht dich interessant. Wenn er mit der Socke hinter dir herkommt -> Tauschgeschäft anbieten.
FAQ: Probleme lösen
Mein Hund schluckt alles sofort runter, bevor ich „Aus“ sagen kann. Hier hilft nur Prävention. Draußen Maulkorb-Training (als Schutz, nicht als Strafe) und zu Hause nichts liegen lassen. Parallel das „Tauschen“ extrem hochwertig üben.
Kann ich statt „Aus“ auch „Gib“ sagen? Natürlich. Dem Hund ist das Wort egal. „Aus“ klingt oft etwas härter und ernster, „Gib“ weicher. Wichtig ist nur, dass alle Familienmitglieder das gleiche Wort nutzen.
Mein Hund knurrt, wenn ich ihm etwas wegnehmen will. Achtung! Hier hast du bereits ein Problem mit Ressourcenverteidigung. Hör sofort auf zu üben und hol dir einen Trainer vor Ort. Nimm ihm nichts mehr weg, sondern praktiziere nur noch das Tauschen aus sicherer Distanz (Futter werfen, wenn er das Spielzeug loslässt).
Fazit: Fairplay lohnt sich
Der Unterschied zwischen einem Hund, der seine Beute verteidigt, und einem Hund, der sie dir freudig vor die Füße spuckt, liegt im Training. Wenn „Aus“ und „Nein“ keine Strafen, sondern Chancen auf Belohnung sind, hast du einen kooperativen Partner an deiner Seite.
Fange heute an – mit einer Handvoll Leckerlis und viel Geduld.
