Hilfe, mein Welpe beißt! So trainierst du die Beißhemmung fair und effektiv
Sie sind klein, sie sind süß – und sie haben Zähne wie Nadeln.
Jeder Welpenbesitzer kennt diesen Moment: Du spielst entspannt mit deinem kleinen Liebling, und plötzlich hast du seine Zähne in der Hand, im Hosenbein oder im Fuß.
Viele Erstbesitzer sind geschockt: „Ist mein Hund aggressiv?“ oder „Warum tut er mir weh, obwohl ich lieb zu ihm bin?“
Atme tief durch. Die Antwort lautet: Dein Hund ist völlig normal. Er ist kein Tyrann, er ist ein Baby. Und er muss erst lernen, dass Menschenhaut empfindlich ist.
In diesem Artikel erfährst du, wie du die sogenannte Beißhemmung fair aufbaust, warum der veraltete „Schnauzengriff“ das Vertrauen zerstört und welche Hilfsmittel deine Hände retten.
Warum beißen Welpen eigentlich?
Um das Verhalten zu stoppen, müssen wir es erst verstehen. Welpen erkunden die Welt mit dem Maul, genau wie Kleinkinder alles in den Mund stecken.
Es gibt meistens drei Gründe für die Attacken:
- Spiel & Erkundung: „Was passiert, wenn ich hier reinbeiße? Ah, es quietscht!“
- Zahnwechsel: Zwischen dem 4. und 7. Monat juckt und schmerzt der Kiefer. Kauen lindert den Schmerz.
- Übermüdung: Das ist der häufigste Grund! Nach „müde“ kommt „blöd“. Wenn dein Welpe völlig aufdreht und wild um sich beißt, ist er oft drüber und braucht eigentlich Schlaf.
Wichtig: Beißhemmung ist nicht angeboren
Im Hunderudel lernen Welpen die Beißhemmung spielerisch. Beißt einer zu fest, quietscht der andere und das Spiel ist vorbei. So lernt der Welpe: „Hoppla, wenn ich zu fest zupacke, endet der Spaß.“
Genau das müssen wir ihm nun im Umgang mit Menschenhaut beibringen.
Die 3-Schritte-Methode: So reagierst du fair
Vergiss Ratschläge wie „auf den Rücken werfen“ oder „die Schnauze zudrücken“. Das macht deinem Hund Angst und zerstört eure Bindung. Wir lösen das Problem durch Konsequenz und Alternativen.
Schritt 1: Das Spiel sofort unterbrechen
Sobald die Zähne deine Haut berühren (auch wenn es nur leicht ist):
- Sage ein deutliches, aber ruhiges Abbruchsignal (z.B. „Nein“ oder „Aua“).
- Werde zur Statue. Bewege die Hand nicht weg (das weckt den Jagdinstinkt), sondern halte still.
- Ignoriere den Hund für 10–20 Sekunden. Dreh dich weg.
Schritt 2: Die Alternative anbieten (Umlenken)
Der Hund hat ein Bedürfnis zu kauen. Wir verbieten es nicht, wir lenken es nur um.
Sobald er ablässt, biete ihm sofort ein geeignetes Spielzeug an.
Wenn er da reinbeißt: Loben!
„In meine Hand beißen = Spiel vorbei. In das Spielzeug beißen = Party!“
Schritt 3: Die Auszeit (Wenn nichts mehr hilft)
Wenn dein Welpe sich gar nicht beruhigt und immer wieder nachschnappt, ist er wahrscheinlich überreizt.
Hier hilft kein Training, sondern nur Ruhe. Bringe ihn kommentarlos in seinen Welpenauslauf oder seine Box und gib ihm etwas zum Kauen, um runterzufahren. Meistens schlafen sie innerhalb von 5 Minuten ein.
Die richtige Ausrüstung rettet Nerven (und Möbel)
Damit du das Kauen umlenken kannst, brauchst du Spielzeug, das robust ist und dem Kiefer guttut. Billiges Plastik ist hier gefährlich.
1. Der Klassiker: Der KONG für Welpen
Jeder Hundehalter sollte mindestens zwei davon haben. Du kannst sie mit Joghurt oder Welpenfutter füllen und einfrieren. Das Schlecken beruhigt und die Kälte hilft beim Zahnwechsel.
Unsere Empfehlung: Der rosafarbene oder blaue KONG Puppy ist extra weich für Milchzähne.
2. Natürliche Kauwurzeln
Möbelbeine sind oft das Lieblingsziel von Welpen. Eine Kauwurzel aus Heideholz ist die perfekte Alternative: Sie ist extrem hart, splittert nicht und der Hund kann stundenlang darauf herumnagen.
3. Zerrseile für gemeinsames Spiel
Um Regeln zu lernen, sind Zerrspiele super. Aber: Du beginnst das Spiel und du beendest es. Wenn die Zähne die Hand berühren, wird das Seil weggepackt.
No-Go: Warum der „Schnauzengriff“ tabu ist
Vielleicht hat dir jemand geraten: „Wenn er beißt, greif ihm über die Schnauze und drück die Lefzen an die Zähne.“
Bitte tu das niemals.
In der Hundesprache ist das Festhalten der Schnauze eine massive, existenzielle Drohung. Wenn du das bei einem Welpen machst, der eigentlich nur spielen will, versteht er die Welt nicht mehr.
Die Folge: Er verliert das Vertrauen in deine Hände. Im schlimmsten Fall lernt er, dass Hände gefährlich sind und beginnt später, aus Abwehr wirklich zu beißen.
Fairness bedeutet: Wir zeigen dem Hund, was er tun soll (in Spielzeug beißen), statt ihn körperlich zu strafen für etwas, das er noch nicht besser weiß.
Die „dollen 5 Minuten“
Fast jeder Welpenbesitzer kennt es: Abends dreht der Hund plötzlich durch. Er rennt wie von der Tarantel gestochen durch die Wohnung, knurrt, bellt und schnappt nach allem, was sich bewegt.
Das ist keine Aggression. Das ist Stressabbau.
Der Tag war lang, viele Eindrücke müssen verarbeitet werden.
Was tun?
Nicht schimpfen, nicht wild mitspielen.
Schaffe eine ruhige Atmosphäre, dimme das Licht, gib ihm etwas Langes zu kauen (z.B. Rinderkopfhaut oder Ochsenziemer) und schicke ihn auf seinen Platz. Kauen baut Stress ab und macht müde.
Fazit: Geduld ist der Schlüssel
Die Beißhemmung ist einer der anstrengendsten Teile der Welpenerziehung. Aber die gute Nachricht ist: Es ist nur eine Phase.
Wenn du jetzt konsequent bleibst, immer wieder abbrichst und Alternativen anbietest, hast du in wenigen Wochen einen Hund, der genau weiß, wie vorsichtig er mit seiner „Menschenfamilie“ umgehen muss.
Deine Hände werden heilen – und die Beziehung zu deinem Hund wird wachsen.
Du willst wissen, wie du deinen Welpen auch nachts entspannt bekommst und Stubenreinheit trainierst?
Lies hier weiter:
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