Deutsche Dogge
Der sanfte Riese: Wenn der Hund größer ist als das Sofa
Sie ist eine der imposantesten Erscheinungen in der Hundewelt. Wenn eine Deutsche Dogge den Raum betritt, wird es still. Früher als „Bullenbeißer“ und Jagdhund für Wildschweine und Bären gezüchtet, ist sie heute vor allem eines: Ein riesiger, sensibler Familienhund, der am liebsten auf deinem Schoß sitzen würde (auch wenn er 80 Kilo wiegt).
Doch die „Romantik des Riesen“ endet oft beim Tierarzt oder beim Blick auf das Konto. Die Deutsche Dogge ist Luxus – nicht nur in der Anschaffung, sondern im Unterhalt. Wer diesen Hund liebt, braucht Platz, Geld und ein großes Auto.
In diesem Porträt erfährst du, warum sie „Schoßhunde“ sind und warum du beim Füttern besonders aufpassen musst.
Steckbrief: Deutsche Dogge (Great Dane)
- Ursprung: Deutschland (Vorfahren: Bullenbeißer & Hatzrüden)
- FCI-Gruppe: 2 (Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde)
- Größe: Mindestens 80 cm (Rüden), 72 cm (Hündinnen) – oft aber deutlich größer (bis 90 cm+!).
- Gewicht: 50 – 90 kg (einige Rüden knacken sogar die 100 kg Marke).
- Lebenserwartung: Leider sehr kurz: 6 – 8 Jahre sind realistisch, 10 Jahre sind schon ein stolzes Alter.
- Farben: Gelb, Gestromt, Gefleckt (Tigerdogge), Schwarz, Blau.
Der Charakter: Ein Lamm im Körper eines Löwen
Charakterlich ist die Dogge oft das genaue Gegenteil ihrer Optik.
- Die „Knutschkugel“: Sie ist extrem menschenbezogen, fast aufdringlich liebevoll. Sie unterschätzt ihre Kraft und Größe total und lehnt sich gerne wie ein kleiner Hund an dich („Anlehnungsbedürfnis“).
- Wachsam, aber kein Kläffer: Ihre bloße Präsenz reicht. Sie muss nicht kläffen. Wenn sie bellt, dann mit einem tiefen Bass, der durch Mark und Bein geht.
- Sensibilität: Sie ist ein „Mimöschen“. Härte, Streit oder laute Stimmen verträgt sie überhaupt nicht. Sie zieht sich dann tief beleidigt zurück.
- Coolness: Ein gut sozialisierter Riese lässt sich durch kleine keifende Hunde nicht aus der Ruhe bringen. Sie schaut einfach drüber hinweg.
Erziehung: Kraft durch Technik kontrollieren
Du kannst 90 Kilo nicht festhalten, wenn sie weg wollen.
- Leinenführigkeit ist Überlebenswichtig: Ein Ziehen an der Leine ist bei einem Dackel nervig, bei einer Dogge gefährlich. Das „Fuß“-Laufen muss sitzen, bevor der Hund ausgewachsen ist.
- Positive Bestärkung: Wegen ihrer Sensibilität funktioniert „Kasernenton“ nicht. Sie macht dicht. Motivation und Geduld sind der Schlüssel.
- Sozialisierung: Sie muss früh lernen, dass sie groß ist und vorsichtig sein muss – besonders mit Kindern oder kleinen Hunden.
Gesundheit: Das „Riesen-Problem“
Hier muss man Tacheles reden. Die Größe fordert ihren Tribut.
- Magendrehung: Der Albtraum aller Doggenhalter. Der tiefe Brustkorb macht sie extrem anfällig.
- Regel: Nach dem Fressen (am besten aus einem höhenverstellbaren Napf) herrscht absolute Ruhe! Mindestens 2 Stunden kein Toben.
- Herzprobleme (DCM): Der Herzmuskel wird schwach (Dilatative Kardiomyopathie). Regelmäßige Herzultraschall-Untersuchungen sind Pflicht.
- Knochenkrebs & Gelenke: Das riesige Skelett ist anfällig für Krebs (Osteosarkom) und Verschleiß (Arthrose). Treppensteigen ist für Doggen Gift.
Pflege & Alltag: Alles eine Nummer größer
- Sabber: Ja, viele Doggen sabbern. Besonders nach dem Trinken oder Fressen. Man sollte immer ein „Sabbertuch“ griffbereit haben.
- Platzbedarf: Ein Körbchen reicht nicht, sie brauchen eher eine Matratze (oder ein eigenes Sofa). In eine kleine Stadtwohnung gehört sie nicht.
- Transport: Vergiss den Golf. Du brauchst einen Kombi, Bus oder Transporter.
Fazit: Passt die Deutsche Dogge zu dir?
Die Dogge ist ein Hund für Liebhaber, die Platz und das nötige Budget haben.
Sie ist der richtige Hund für dich, wenn:
- Du ebenerdig wohnst (Haus mit Garten) und keine Treppen hast.
- Du finanziell abgesichert bist (Futterkosten sind enorm, Tierarztkosten bei Riesenrassen oft doppelt so hoch).
- Du ein großes Auto hast.
- Du bereit bist, dich schon nach 7 oder 8 Jahren wieder zu verabschieden – das ist der härteste Preis für die Liebe zu diesen Riesen.
Wer sich darauf einlässt, bekommt keinen Hund, sondern eine Seele auf vier Pfoten, deren Sanftmut unerreicht ist.
