Kommando Sitz
Der Klassiker: Mehr als nur „Popo auf den Boden“
„Sitz“ ist meistens das allererste, was ein Welpe lernt. Warum? Weil es eine physikalische Bremse ist. Ein Hund, der sitzt, kann nicht gleichzeitig springen, rennen oder den Besuch umwerfen. Es ist die Basis für höfliches Verhalten.
Doch oft schleichen sich Fehler ein. Der Hund setzt sich nur langsam, er steht sofort wieder auf oder er setzt sich nur, wenn man ein Leckerli in der Hand hat. In dieser Anleitung lernst du, wie du das Kommando sauber, positiv und nachhaltig aufbaust – ohne körperlichen Zwang.
Schritt 1: Die „Magnet-Hand“ (Das Locken)
Wir arbeiten nicht mit Druck, sondern mit Physik.
- Vorbereitung: Nimm ein weiches, gut riechendes Leckerli in die Hand und halte es zwischen Daumen und Zeigefinger.
- Die Bewegung: Halte das Leckerli direkt vor die Nase deines Hundes (lass ihn schnuppern, aber nicht fressen).
- Der Weg: Führe die Hand nun langsam von der Nase aus nach oben und leicht nach hinten über den Kopf des Hundes Richtung Rücken.
- Der Effekt: Der Hund will mit der Nase am Leckerli bleiben. Er muss den Kopf in den Nacken legen. Damit er das Gleichgewicht nicht verliert und besser nach oben schauen kann, senkt sich sein Hinterteil automatisch ab.
- Das Timing: In genau der Millisekunde, in der der Popo den Boden berührt: „Klick“ (oder Markerwort „Fein!“) und sofort das Leckerli geben.
Wichtig: Sag am Anfang noch nicht „Sitz“. Der Hund weiß ja noch gar nicht, was das Wort bedeutet. Er lernt erst die Bewegung.
Schritt 2: Das Handzeichen einführen
Hunde sind Körpersprachler. Sie reagieren viel besser auf Handzeichen als auf Worte. Das klassische Handzeichen für „Sitz“ ist der erhobene Zeigefinger oder die flache Hand, die nach oben geht.
- Mache die gleiche Bewegung wie in Schritt 1, aber das Leckerli ist jetzt versteckt (oder erst später in der Hand).
- Führe die Hand über den Kopf. Der Hund setzt sich.
- Belohnen.
- Mit der Zeit machst du die Bewegung immer kleiner. Irgendwann reicht ein leichtes Heben der Hand, und der Hund setzt sich.
Schritt 3: Das Wort „Sitz“ hinzufügen
Erst wenn der Hund die Bewegung verstanden hat und sich zuverlässig setzt, wenn deine Hand hochgeht, führen wir das Wort ein.
- Sag deutlich „Sitz“.
- Warte eine halbe Sekunde (das Gehirn muss das Wort verarbeiten).
- Mache dein Handzeichen.
- Der Hund setzt sich -> Belohnung.
Wiederhole das oft. Der Hund verknüpft: Wort „Sitz“ + Handzeichen = Hinsetzen lohnt sich.
Die 3 häufigsten Fehler (Bitte vermeiden!)
- Den Hintern runterdrücken: Das ist der schlimmste Fehler. Wenn du auf das Hinterteil drückst, erzeugst du einen Gegendruck (Reflex). Der Hund drückt dagegen. Außerdem ist es für den Hund unangenehm und kann bei Welpen oder Rassen mit Rückenproblemen (Dackel, Schäferhund) schädlich sein. Ein Hund lernt „Sitz“ freiwillig, nicht durch Zwang.
- „Sitz, Sitz, Sitz, Siiiiiitz“: Sag das Kommando nur einmal. Wenn du es fünfmal wiederholst, lernt der Hund: „Ach, ich muss erst beim fünften Mal hören.“ Wenn er sich nicht setzt, hast du den Schritt davor noch nicht gut genug geübt. Geh einen Schritt zurück (hilf mit dem Handzeichen).
- Falsche Handhaltung: Hältst du das Leckerli zu hoch? Dann springt der Hund danach. Hältst du es zu tief? Dann legt er sich vielleicht hin („Platz“). Die Hand muss knapp über der Nase bleiben.
Profi-Wissen: Das „Auflöse-Signal“
Warum stehen viele Hunde sofort wieder auf, nachdem sie das Leckerli haben? Weil wir ihnen nie gesagt haben, wie lange sie sitzen sollen!
Das „Sitz“ gilt eigentlich so lange, bis du etwas anderes sagst. Führe ein Wort ein wie „Lauf“, „Ok“ oder „Frei“.
- Hund macht Sitz -> Belohnung.
- Hund bleibt noch kurz sitzen.
- Du sagst „Lauf“ und wirfst ein Leckerli weg oder machst eine einladende Bewegung.
- Der Hund lernt: „Ich bleibe so lange sitzen, bis das Zauberwort ‚Lauf‘ kommt.“ Das ist der erste Schritt zum „Bleib“.
Warum setzt er sich nicht? (Mögliche Ursachen)
Manchmal ist der Hund nicht stur, sondern hat einen Grund:
- Untergrund: Ist der Boden nass, kalt oder sehr heiß? Viele Hunde (kurzhaarige wie Boxer, Ridgeback oder Welpen) setzen sich ungern in Pfützen oder auf eiskalten Beton.
- Schmerzen: Wenn ein älterer Hund zögert oder „unsauber“ sitzt (ein Bein zur Seite streckt), kann das auf Hüftprobleme, Knieprobleme oder Analdrüsen-Entzündungen hindeuten.
- Stress: Ein Hund, der Angst hat oder extrem gestresst ist, setzt sich ungern, weil er fluchtbereit bleiben will.
Fazit
Übe „Sitz“ überall. In der Küche, im Garten, auf dem Gehweg. Hunde lernen ortsbezogen. Ein Hund, der in der Küche „Sitz“ kann, kann es noch lange nicht im Park, wenn ein anderer Hund kommt. Geduld und viele Wiederholungen sind der Schlüssel.
