Langhaarcollie
Der Filmstar für zu Hause: Sanftmut trifft Intelligenz
Seit Jahrzehnten ist der Langhaarcollie dank „Lassie“ der Inbegriff des klugen, menschenrettenden Hundes. Und tatsächlich: Vieles vom Film-Mythos stimmt. Der Collie ist unglaublich loyal, kinderlieb und vorausschauend.
Aber er ist auch anders als der moderne Border Collie. Während der Border ein „Arbeits-Junkie“ ist, ist der Langhaarcollie (besonders die britische Linie) oft deutlich gelassener. Er ist ein Hütehund mit eingebautem „An-und-Aus-Schalter“, was ihn zu einem fantastischen Familienhund macht – wenn man mit seiner Sensibilität umgehen kann.
In diesem Porträt erfährst du, warum du diesen Hund niemals anschreien solltest und warum er manchmal eine „Quasselstrippe“ ist.
Steckbrief: Langhaarcollie (Rough Collie)
- Ursprung: Großbritannien (Schottland)
- FCI-Gruppe: Hütehunde und Treibhunde
- Größe: 56 – 61 cm (Rüden), 51 – 56 cm (Hündinnen)
- Gewicht: 18 – 29 kg (wirkt durch das Fell oft massiger, ist aber sportlich schlank)
- Lebenserwartung: 12 – 14 Jahre
- Varianten: Amerikanische Linie (größer, arbeitsfreudiger) und Britische Linie (plüschiger, ruhiger).
Der Charakter: Ein Gentleman, der gerne redet
Der Collie ist ein Hund der leisen Töne – zumindest was die Führung angeht.
- Sensibilität: Er ist extrem feinfühlig. Streit in der Familie oder ein grobes „Platz!“ machen ihn fertig. Er braucht Harmonie.
- Mitteilungsbedürfnis: Collies bellen gerne. Sie kommentieren das Spiel, melden Besucher oder beschweren sich, wenn es zu lange dauert. Man muss von Anfang an darauf achten, dass er kein Kläffer wird.
- Kein Kadavergehorsam: Er will gefallen („Will to please“), aber er denkt mit. Wenn er einen Befehl als sinnlos erachtet, schaut er dich fragend an.
- Wachtrieb: Er passt auf seine Familie auf, aber er würde einen Einbrecher eher verbellen als beißen.
Erziehung: Leise Töne, große Wirkung
Einen Collie erzieht man nicht mit Druck, sondern mit Freundschaft.
- Motivation: Er lässt sich wunderbar motivieren, aber er hasst endlose Wiederholungen. Zweimal „Sitz“ üben reicht, beim dritten Mal findet er es langweilig.
- Härte ist tabu: Wer diesen Hund körperlich maßregelt oder anschreit, verliert sein Vertrauen für immer. Er zieht sich dann in sich zurück.
- Jagdtrieb: Vorhanden, aber meist gut kontrollierbar. Er neigt eher dazu, Dinge zu „hüten“ (Autos, Jogger) oder auf Sicht zu hetzen. Das lässt sich aber gut trainieren.
Gesundheit: Das MDR1-Thema
Wie viele Hütehunde hat der Collie spezifische genetische Schwachstellen, die man kennen muss.
- MDR1-Defekt: Das ist das Thema beim Collie. Es ist eine Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Medikamenten (u.a. Wurmkuren, Narkosemittel). Ein Hund mit dem Status „MDR1 -/-“ kann an einer falschen Tablette sterben.
- Wichtig: Kaufe nur bei Züchtern, die den MDR1-Status der Eltern testen und im Idealfall „+/+“ züchten. Lasse deinen Hund auf jeden Fall testen!
- CEA (Collie Eye Anomaly): Eine angeborene Augenerkrankung. Auch hier sind Tests Pflicht.
- Dermatomyositis: Eine Haut-Muskel-Erkrankung, die typisch für Collies und Shelties ist (tritt meist an den Ohrspitzen oder um die Augen auf).
Pflege: Weniger schlimm als es aussieht
Der Collie sieht aus wie ein Pflege-Albtraum, ist es aber gar nicht.
- Selbstreinigendes Fell: Das harte Deckhaar ist schmutzabweisend. Wenn der Collie voller Schlamm ist: Trocknen lassen, der Dreck fällt von alleine raus.
- Bürsten: Einmal gründlich pro Woche reicht (außer im Fellwechsel). Wichtig sind die feinen Haare hinter den Ohren und die „Hosen“ an den Hinterbeinen – hier bilden sich schnell Filzknubbel.
Fazit: Passt der Langhaarcollie zu dir?
Der Collie ist ein wunderbarer Einstieg in die Welt der Hütehunde, ohne gleich den Wahnsinn eines Malinois oder Border Collies mitzubringen.
Er ist der richtige Hund für dich, wenn:
- Du einen aktiven, aber im Haus ruhigen Familienhund suchst.
- Du ein einfühlsamer Mensch bist, der seinen Hund als Partner und nicht als Befehlsempfänger sieht.
- Du kein Problem mit Hundehaaren und gelegentlichem Bellen hast.
- Du Lust auf gemeinsame Aktivitäten hast (Wandern, Trickdogging, Agility „Just for Fun“), aber keine Hochleistungssport-Ambitionen hast.
Mit einem Collie holst du dir eine treue Seele ins Haus, die dich mit Eleganz und ganz viel Gefühl durchs Leben begleitet.
