Ruhe lernen: Warum dein Hund nicht „mehr Auslauf“, sondern eine Pause braucht
Kennst du das? Du kommst vom langen Spaziergang, hast Bällchen geworfen und geübt – aber kaum zu Hause, dreht dein Hund erst richtig auf. Er rennt durch die Wohnung, beißt in die Leine oder kommt einfach nicht zur Ruhe.
Vielleicht denkst du: „Ohje, er ist immer noch nicht ausgelastet. Morgen müssen wir noch länger laufen!“
Stopp. Das ist ein Trugschluss.
Dein Hund ist wahrscheinlich nicht unterfordert, sondern überreizt.
In diesem Artikel lernst du, warum „Nichtstun“ die schwerste, aber wichtigste Übung für deinen Hund ist und wie du einen „Aus-Schalter“ installierst.
Der Mythos vom „müden“ Hund
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass ein Hund, der viel erlebt, müde und zufrieden ins Körbchen fällt.
Die Realität sieht oft anders aus: Zu viel Action schüttet Stresshormone (Cortisol und Adrenalin) aus. Diese Hormone brauchen Tage, um abgebaut zu werden. Wenn du jeden Tag Action machst, ist dein Hund dauerhaft auf einem hohen Stresslevel. Er kann gar nicht mehr entspannen.
Die Faustregel:
Erwachsene Hunde brauchen ca. 17 bis 20 Stunden Ruhe und Schlaf am Tag. Welpen sogar bis zu 22 Stunden.
Haben sie die nicht, gilt der alte Satz: „Nach müde kommt blöd.“
Das wichtigste Werkzeug: Das Deckentraining
Wie bringen wir dem Hund nun bei, runterzufahren? Wir konditionieren einen Ort der Entspannung. Das Ziel: Der Hund sieht seine Decke und sein Gehirn schaltet automatisch auf „Relax-Modus“.
Das ist kein klassisches „Bleib“-Kommando, wo der Hund angespannt wartet, bis er aufstehen darf. Es ist ein Zustand.
So baust du die Ruhezone auf:
- Der richtige Ort: Wähle einen Platz, der ruhig ist, aber von dem aus der Hund dich sehen kann (Hunde sind Kontrollfreaks, sie entspannen schwer, wenn sie dich nicht sehen).
- Der magische Keks: Immer wenn dein Hund zufällig auf seine Decke geht: Loben (ruhig!) und Keks geben.
- Ruhe füttern: Liegt der Hund auf der Decke? Setz dich dazu (nicht bedrängen) und lege ihm ganz langsam, Keks für Keks, etwas zwischen die Vorderpfoten.
- Er steht auf? Futter hört auf.
- Er liegt wieder? Futter kommt wieder.
- Das Entspannungssignal: Wenn er tiefenentspannt auf der Seite liegt und schnauft, sag ein Wort dazu (z.B. „Paaause“ oder „Easy“). Später kannst du mit diesem Wort die Entspannung auslösen.
Wichtig: Schicke den Hund niemals zur Strafe auf die Decke! Dieser Ort muss der tollste und sicherste Platz der Welt sein.
Kauen baut Stress ab
Kauen und Lecken sind für Hunde wie Yoga oder Meditation. Dabei werden Endorphine freigesetzt, die das Stresshormon Cortisol abbauen.
Wenn dein Hund also abends seine „dollen 5 Minuten“ hat, hilft kein Schimpfen und kein Ballspielen. Es hilft etwas Hartes zu kauen.
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Nasenarbeit statt Marathon
Du willst deinen Hund müde machen, ohne ihn hochzupushen? Dann vergiss das Bällchenwerfen (das ist pures Adrenalin!).
Mach lieber Nasenarbeit. 10 Minuten intensiv Schnüffeln strengt einen Hund geistig genauso an wie 1 Stunde Joggen – aber es macht ihn zufrieden müde, nicht hektisch.
Ein Schnüffelteppich ist ideal für drinnen. Du versteckst kleine Leckerlis in den Stoffstreifen und der Hund muss sie suchen.
Tipp: Nutze einen waschbaren Schnüffelteppich mit rutschfester Unterseite.
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3 Fehler, die du vermeiden solltest
- Begrüßungs-Party: Wenn du nach Hause kommst und den Hund mit hoher Stimme und Quietschen begrüßt, pusht du ihn sofort auf Level 100. Begrüße ihn ruhig, erst wenn er vier Pfoten auf dem Boden hat.
- Dauer-Bespaßung: Wenn der Hund kommt und dich anstupst, streichelst du ihn sofort? Dann lernt er: „Ich bestimme, wann Action ist.“ Ignoriere forderndes Verhalten. Spiel und Streicheln beginnen, wenn DU es willst (und der Hund gerade entspannt ist).
- Zu viel Spielzeug: Liegt überall Spielzeug herum? Das ist ständige Reizüberflutung. Packe das Spielzeug weg und hole es nur gezielt hervor. Dann bleibt es auch spannend.
Fazit: Weniger ist mehr
Ein entspannter Hund wird nicht geboren, er wird erzogen.
Habe kein schlechtes Gewissen, wenn du mal einen Tag „nichts“ machst, außer entspannt Gassi zu gehen und zu kuscheln. Dein Hund braucht diese Pausen, um die Eindrücke unserer lauten Welt zu verarbeiten.
Gib ihm Zeit, gib ihm eine Struktur und vor allem: Sei du selbst das Vorbild. Wenn du hektisch bist, wird es dein Hund auch sein. Atme durch – dann tut es dein Hund auch.
Mehr Tipps für ein entspanntes Zusammenleben:
- [Welpe beißt ständig? So reagierst du richtig]
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