Berner Sennenhund
Der sanfte Riese: Ein Bärchen mit Charakter
Er sieht aus wie ein großer Teddybär und benimmt sich meistens auch so: Der Berner Sennenhund ist der Inbegriff des gemütlichen, treuen Hof- und Familienhundes. Sein dreifarbiges Fell und der gutmütige Blick lassen Herzen schmelzen.
Doch wer glaubt, der Berner sei nur ein dekorativer, fauler Bettvorleger, täuscht sich. Ursprünglich war er ein harter Arbeitshund in der Schweiz, der Karren zog und das Vieh trieb. Er ist stark, selbstbewusst und manchmal wunderbar stur.
In diesem Porträt erfährst du, warum er der perfekte Familienhund ist – und warum man beim Thema Gesundheit leider sehr genau hinschauen muss.
Steckbrief: Berner Sennenhund
- Ursprung: Schweiz (Kanton Bern)
- FCI-Gruppe: Molosser / Schweizer Sennenhunde
- Größe: 64 – 70 cm (Rüden), 58 – 66 cm (Hündinnen)
- Gewicht: 40 – 50 kg (und mehr – ein echtes Schwergewicht!)
- Lebenserwartung: 6 – 9 Jahre (leider oft sehr kurz)
- Farben: Dreifarbig (Tricolor): Schwarz mit braunroten Brand und weißen Abzeichen.
Der Charakter: Gelassenheit auf vier Pfoten
Einen Berner bringt so schnell nichts aus der Ruhe.
- Menschenbezogen: Er liebt seine Familie über alles. Er ist am liebsten immer dabei und liebt Körperkontakt („Kontaktliegen“). Alleinsein findet er furchtbar.
- Wachtrieb: Er ist ein Haus- und Hofhund. Er meldet Besucher zuverlässig mit tiefem Bellen, ist dabei aber selten aggressiv. Er stellt sich eher „in den Weg“ und beobachtet.
- Dickschädel: Er hat keinen „Will to please“ wie ein Schäferhund. Wenn er keinen Sinn in einem Kommando sieht, macht er es einfach langsam – oder gar nicht. Er denkt mit.
- Kinderlieb: Seine Geduld mit Kindern ist legendär. Er lässt sich (bei guter Sozialisierung) kaum provozieren.
Erziehung: Mit Gemütlichkeit zum Ziel
Druck oder Härte funktionieren beim Berner überhaupt nicht. Er schaltet dann einfach auf stur.
- Motivation: Er arbeitet für Lob und Leckerlis, aber er hat sein eigenes Tempo. „Sitz“ heißt beim Berner oft: Er schaut dich an, atmet tief durch und setzt sich dann langsam hin.
- Leinenführigkeit: Das ist das Wichtigste! Du hast später 50 Kilo an der Leine. Wenn der Hund zieht, hast du keine Chance. Das muss im Welpenalter sitzen.
- Kein Sportler: Er ist kein Hund für Jogger oder Radfahrer (besonders im Sommer nicht). Er liebt lange, gemütliche Wanderungen oder Zugarbeit (Bollerwagen ziehen), aber Hitze und Hektik verträgt er nicht.
Gesundheit: Das traurige Kapitel
Man muss es so ehrlich sagen: Der Berner Sennenhund ist gesundheitlich eine der belastetsten Rassen. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den letzten Jahrzehnten gesunken.
- Krebs: Die Rasse hat eine genetische Veranlagung für bösartige Tumore (besonders Histiozytäres Sarkom). Viele Berner sterben leider viel zu jung daran.
- Gelenke (HD/ED): Aufgrund des hohen Gewichts und des schnellen Wachstums sind Hüft- und Ellbogendysplasie ein großes Thema. Treppensteigen ist Gift für den jungen Berner.
- Nierenprobleme: Auch Niereninsuffizienz kommt in einigen Linien vor.
- Tipp: Schaue dir beim Züchter nicht nur die Eltern, sondern auch das Alter der Großeltern und Urgroßeltern an! Die „Langlebigkeits-Zucht“ ist das wichtigste Kriterium.
Pflege: Haare, überall Haare
Der Berner haart das ganze Jahr über, und im Fellwechsel zweimal jährlich extrem.
- Fell: Das lange, dichte Fell muss mehrmals die Woche gebürstet werden, sonst verfilzt es hinter den Ohren und an den Beinen.
- Dreck: Er ist ein „Dreck-Magnet“. Das lange Fell am Bauch sammelt Schlamm, Kletten und Wasser. Nach dem Spaziergang ist oft eine Unterbodenwäsche nötig.
Fazit: Passt der Berner Sennenhund zu dir?
Wenn du bereit bist, dich auf seine kurze Lebenszeit einzulassen, bekommst du einen Hund mit einem Herz aus Gold.
Er ist der richtige Hund für dich, wenn:
- Du einen gemütlichen Begleiter suchst und keinen Hochleistungssportler.
- Du ein Haus mit Garten hast (viele Treppen im 3. Stock sind für diesen schweren Hund unmöglich).
- Du keine Angst vor Hundehaaren und Schmutz hast.
- Du einen loyalen Familienhund suchst, der auf dich aufpasst, ohne aggressiv zu sein.
Der Berner ist ein Seelentröster und der beste Freund, den sich eine Familie wünschen kann – auch wenn der Abschied oft viel zu früh kommt.
